Eine Ausstellung von Marcelo Brodsky und Forensic Architecture.
Kuratiert von Prof. Dr. Márcio Seligmann-Silva.
Zwischen 1904 und 1908 führte die deutsche Kolonialarmee im damaligen Deutschen Südwestafrika einen Vernichtungskrieg gegen die Völker der Ovaherero und Nama. Tausende Überlebende wurden in Konzentrationslager deportiert, wo Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten und systematische Gewalt weiteren Tausenden das Leben kosteten. Shark Island vor der Küste von Lüderitz wurde zu einem Todeslager – das erste des 20. Jahrhunderts. Den dort Verstorbenen verwehrte man selbst ein würdiges Begräbnis; die Überreste der Gefangenen wurden für rassistische und anthropologische Forschungszwecke nach Deutschland transportiert - eine Praxis, die die die Nazis später in industriellem Maßstab weiterentwickelt haben.
Shark Island ist nach über einem Jahrhundert immer noch ein umkämpfter Ort der Erinnerung und wird nun durch groß angelegte Infrastrukturprojekte für „grünen Wasserstoff“ bedroht. Was wie eine ferne koloniale Vergangenheit erscheinen mag, wird so zu einer Frage der Gegenwart: Was geschieht, wenn der Boden selbst zum Archiv wird?
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Marcelo Brodskys Serie „Traces of Violence“ (2021). Sie besteht aus dreißig Fotografien, die Soldaten, Missionare und Kolonialbeamte während der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia aufgenommen haben. Brodsky überlagert diese Bilder mit Farbe und Inschriften. Die Fotografien werden so zu Zeugen gegen die Gewalt, die sie eigentlich verschleiern oder verherrlichen wollen. Neben dieser Serie präsentiert Brodsky die Arbeit „Shark Island“ (2024). Geschaffen hat er diese Arbeit als Reaktion auf die Untersuchungen von Forensic Architecture und Forensis, die in der Ausstellung mit dem gleichnamigen Film präsent sind. Der Film „Shark Island“ (2024) rekonstruiert die Geschichte und Geografie des Konzentrationslagers und ist in Zusammenarbeit mit der Ovaherero Traditional Authority (OTA) und der Nama Traditional Leaders Association (NTLA) entstanden.
